Dissertationsprojekte
Das Dissertationsprojekt „Untersuchungen zum Bibeltext des Lucifer von Calaris“ von Anna Theresa Cibis beschäftigt sich mit dem Apostelgeschichtentext des Bischofs Lucifer von Calaris († 370/1), der während seines Exils unter anderem in Palästina Lehrschriften gegen Kaiser Constantius verfasste. Lucifers Zitate aus der Apostelgeschichte stimmen in hohem Maße mit dem Apostelgeschichtentext des Codex Gigas, einer lateinischen Bibelhandschrift, die im frühen 13. Jahrhundert in Böhmen abgeschrieben worden ist, überein. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage nach Entstehung und Ausbreitung dieser altlateinischen Version, die über das gesamte Mittelalter als eigenständige Textform neben dem allgemein gültigen Vulgatatext erhalten blieb. Dieses Projekt wird von Juni 2009 bis Mai 2010 von der "Stiftung für Jüdische Studien – Stiftung zum Andenken an Prof. Dr. Günter Mayer" gefördert.
Rebekka Schirner beschäftigt sich in ihrer Dissertation „Untersuchungen zum Umgang Augustins mit Bibelhandschriften und Bibelübersetzungen“ mit drei Themenkomplexen: Im Schwerpunkt (1) soll ein möglichst facettenreiches Bild davon entworfen werden, welche über den jeweiligen konkreten Anlass hinausweisenden Ansichten der Kirchenvater über Bibelhandschriften und Bibelübersetzungen in seinen Werken geäußert hat. Im Schwerpunkt (2) werden Augustins Reflexionen und Prinzipien beim konkreten Umgang mit verschiedenen Übersetzungen untersucht, wobei dem Sprachmaterial, Werkkontext und Ergebnis solcher Versionsvergleiche besonderes Augenmerk zukommt. Verknüpft hiermit ist u.a. die Frage nach dem „Sitz im Leben“ solcher Vergleiche und nach der philologischen (?) Methodik Augustins. Schließlich soll im dritten Teil die konkrete Zitationspraxis des Bischofs von Hippo am Beispiel seiner Zitate der altlateinischen Apostelgeschichte untersucht werden, indem seine Zitate und die übrige handschriftliche sowie patristische Bezeugung ausgewählter Verse kollationiert und im Hinblick auf die Konstituierung möglicher Texttypen analysiert werden.
In der Überlieferungsgeschichte der altlateinischen Apostelgeschichte nimmt der aus dem nordenglischen Kloster Wearmouth-Jarrow stammende Kirchenlehrer Beda Venerabilis (672/3-735) eine Schlüsselposition ein. Grundsätzlich ist der Text der Heiligen Schrift in der Vulgatafassung der für ihn maßgebliche. In seinen exegetischen Ausführungen zur Apostelgeschichte verweist er aber zudem auf mehrere voneinander abweichende altlateinische Versionen der Heiligen Schrift und zieht darüber hinaus immer wieder griechische Bibeltexte zum Vergleich heran. Aus der geplanten Analyse dieser unterschiedlichen Textversionen sowie dem Vergleich mit der erhaltenen handschriftlichen Überlieferung und den Zitaten der Kirchenväter ist ein Erkenntnisgewinn in Bezug auf die Text- und Überlieferungsgeschichte der Heiligen Schrift im Allgemeinen und die Rekonstruktion der altlateinischen Apostelgeschichte im Speziellen zu erwarten. Bearbeiterin dieses Projekts ist Katrin Bigelmayr.